Romance à Joséphine: Frauenlieder in der Zeit Maria Szymanowskas

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Das Leben der polnischen Pianistin und Komponistin Maria Szymanowska (geboren am 14.12.1789 in Warschau, gestorben am 24.07.1831 in Sankt Petersburg) war außergewöhnlich. Um 1825, als es sich nur Opernsängerinnen leisten konnten, auf internationale Tourneen zu gehen, war sie die erste professionelle Pianistin, die in Europa von St. Petersburg nach Amsterdam und von London nach Neapel große Erfolge feierte.

Maria Szymanowska konzertierte mit den berühmtesten Musikern ihrer Zeit, ihre Zeitgenossen schufen für sie Kompositionen und Gedichte und porträtierten sie. Sie komponierte über 100 Klavierstücke, darunter die ersten Nocturnes und Konzertetüden in Polen, etwa 30 Lieder und einige kammermusikalische Werke. Ihr Können zeigte sich in kurzen musikalischen Formen: Mazurken, Polonaisen, Walzer, Menuette, Märsche und in ihren eigenen Improvisationen. Ihre Werke wurden von den renommiertesten europäischen Verlagen publiziert.
Maria Szymanowska verkörpert eine talentierte Frau, der es gelang, Anerkennung der breiten Öffentlichkeit in ganz Europa zu erlangen. Der Titel der „Ersten Pianistin der Kaiserinnen des russischen Reichs“, der ihr 1822 verliehen wird, öffnet ihr viele Türen und stellt eine willkommene finanzielle Unterstützung für sie als geschiedene Mutter dreier Kinder dar. Ende 1827 verlässt sie, erschöpft von endlosen Konzertreisen, ihre Heimatstadt Warschau, um sich in Sankt Petersburg niederzulassen. Dort leitet sie einen Kunstsalon und setzt ihre berufliche Tätigkeit fort. Auf dem Höhepunkt ihres Ruhms stirbt sie überraschend während der Cholera-Epidemie, die im Sommer 1831 die Stadt heimsuchte.
Ihre Rolle als Botschafterin der polnischen Kultur ist von unschätzbarem Wert. Die Komponistin Maria Szymanowska setzte sich bewusst für die Zusammenarbeit mit ihren Landsleuten ein, vertonte patriotische und lyrische Gedichte, insbesondere von Niemcewicz und Mickiewicz, und verarbeitete in ihren Klavierstücken Motive von großer emotionaler Intensität.

Elisabeth Zapolska, in Warschau geborene Opernsängerin und Philologin russischer Abstammung, lebt in Frankreich. Sie engagiert sich seit langem für die Förderung der polnischen Kultur und setzt sich für Autorinnen ein. Während ihres Studiums der Romanistik und der Angewandten Linguistik an der Universität Warschau besuchte sie das Nationale Konservatorium für Musik Frédéric Chopin und gewann den ersten Preis im Fach Operngesang. Auf ihr Pariser Debüt 1987 bei Radio France folgten zahlreiche Engagements bei Musikproduktionen in ganz Europa.
Ihre ständige Suche nach neuem Repertoire und ihr Wunsch nach unterschiedlichsten gesanglichen und szenischen Ausdrucksformen brachten sie dazu, selbst Aufführungen zu kreieren und Konzerte mit weniger bekannten Komponisten zu organisieren. Sie ist eines der Gründungsmitglieder des Verbandes polnischer Musiker in Frankreich. Sie ist Präsidentin der 2009 auf ihre Initiative in Paris gegründeten Maria Szymanowska-Gesellschaft und Leiterin des internationalen Projektes Maria Szymanowska (1789-1831), eine große Europäerin. Die vorliegende CD stellt einen wichtigen Baustein des Projektes dar. Sie enthält Lieder, die nie zuvor aufgenommen wurden, insbesondere die von Maria Szymanowska. Zusammen mit Bart van Oort nahm Elisabeth Zapolska im Jahr 2011 auf einem Broadwood-Klavier von 1825 die meisten Vokalwerke dieser Komponistin auf – eine Welturaufführung. Die CD erschien 2012 unter dem Titel „Maria Szymanowska -Ballades & Romances“.

Bart van Oort studierte Klavier und Fortepiano am Königlichen Konservatorium in Den Haag. 1986 gewann er den ersten Preis und den Publikumspreis beim Internationalen Fortepiano Wettbewerb
in Brügge (Belgien), und studierte danach bei Malcolm Bilson an der Cornell Universität (USA), wo er 1993 einen Doktortitel für Musikalische Künste (Doctor of Musical Arts) in Historischer Aufführungspraxis erhielt. Er hat seither Vorträge und Meisterkurse gegeben und auf der ganzen Welt gespielt. Bart van Oort unterrichtet Fortepiano und ist Dozent für Historische Aufführungspraxis am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Seit 1997 hat Van Oort über 50 Aufnahmen von Kammermusik und Solo-Repertoire gemacht. Jüngste Veröffentlichungen sind französische Nocturnes (Die Kunst des Nocturne im 19. Jahrhundert Band 5). Derzeit ist er dabei, alle Klaviersonaten von Johann Ladislaus Dussek aufzunehmen.

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